Tallinn Architecture Biennale 2026: Was Architektur jenseits von Baukosten wirklich kostet
Nach Angaben von ArchDaily kuratieren Kertu Johanna Jõeste, Siim Tanel Tõnisson und Ra Martin Puhkan vom Stuudio TÄNA gemeinsam mit Mark Aleksander Fischer und Mira Samonig das Programm.

Die 8. Tallinn Architecture Biennale (TAB 2026) stellt unter dem Titel "How Much?" jene Kosten in den Mittelpunkt, die in keinem Leistungsverzeichnis stehen. Nach Angaben von ArchDaily kuratieren Kertu Johanna Jõeste, Siim Tanel Tõnisson und Ra Martin Puhkan vom Stuudio TÄNA gemeinsam mit Mark Aleksander Fischer und Mira Samonig das Programm. Die Schau läuft noch bis zum 30. November 2026 an mehreren Spielstätten in Tallinn.
Der Linnahall als Rechenaufgabe
Was kostet ein Gebäude, das seit Jahrzehnten leer steht? Der Linnahall, ein massiver Betonbau für die Olympischen Spiele 1980 an der Tallinner Hafenfront, liefert das Anschauungsmaterial gleich mit. Sanierung verlangt Investitionen in Tragwerk, also die lastabtragende Konstruktion, in die Gebäudehülle und in die Haustechnik. Abriss bindet Mittel, Energie und Entsorgungskapazitäten. Und das bloße Stehenlassen schreibt eine dritte Rechnung: fortschreitender Verfall, entgangene Nutzung, schwindende Wirkung im Stadtbild.
Die Kuratoren greifen diesen Dreiklang auf und machen den Bau selbst zum Argument. Seine unausgebauten Räume, die Spuren früherer Nutzung und der Zustand der Betonoberflächen treten in Kontrast zu den temporären Installationen und zwingen Besucher, zwischen Sanierung, Rückbau und Stillstand abzuwägen.
Kosten, die nach der Rechnung weiterlaufen
Die Frage "How Much?" zielt nicht allein auf den Quadratmeterpreis. Sie richtet den Blick auf das, was eine Immobilie über den gesamten Lebenszyklus tatsächlich verbraucht: Materialflüsse, Arbeitsstunden für Wartung und Instandsetzung, ökologische Lasten sowie soziale Wirkungen im Stadtraum. "Billig" wird damit von einer ästhetischen Kategorie zu einer konstruktiven, die jede spätere Eingriffsentscheidung mitprägt.
Beteiligte Büros und Spielstätten
Die Kuratorische Ausstellung vereint Arbeiten unter anderem von asphalt / Kollektiv für Architektur, Avarrus Arkkitehdit, baubüro in situ, HouseEurope!, KAVAKAVA, Mantas Peteraitis Architecture Studio, Studio TAKK, O–P, SALTO Architects und VARES. Eine Estnische Kollektivausstellung ergänzt das Programm mit Projekten, die aus engen Budgets entwickelt wurden und daraus tragfähige Lösungen formulierten.
Neben dem Linnahall öffnen das Estnische Museum für Architektur, die Estnische Kunstakademie und das EKKM ihre Räume.