Zukunft des Wohnbaus: Wie 3D-Druck und Holzbau Ressourcen effizient schonen
Nach Daten von MeinBezirk.at entsteht derzeit in Hallein das erste mehrgeschoßige Wohnbauprojekt Österreichs mit einer 3D-gedruckten Betondecke – und genau diese Bauweise wirft eine statische…

Nach Daten von MeinBezirk.at entsteht derzeit in Hallein das erste mehrgeschoßige Wohnbauprojekt Österreichs mit einer 3D-gedruckten Betondecke – und genau diese Bauweise wirft eine statische Grundsatzfrage auf: Wie trägt eine Decke, die nicht eingeschalt, sondern schichtweise aufgetragen wird? Das Forschungsprojekt „Reduce25" der Salzburg Wohnbau will darauf eine praxistaugliche Antwort liefern.
Tragfähigkeit aus der Düse
Beim 3D-Druck von Beton trägt sich der Frischbeton in einem schmalen Zeitfenster selbst. Genau diese Eigenschaft macht den Verzicht auf eine konventionelle Schalung überhaupt erst möglich. Die in Hallein dokumentierten Zahlen lesen sich aus statischer Sicht interessant: 34 Prozent weniger Betonverbrauch, 26 Prozent weniger Bewehrungsstahl und rund 21 Tonnen weniger CO2-Ausstoß im Vergleich zu herkömmlichen Bauweisen. Was bei einem mehrgeschoßigen Bau vor allem zählt, ist die Lastabtragung in den vertikalen Bauteilen. Das Wohnobjekt in der Otto-von-Lilienthalstraße, das bereits im Juli übergeben wurde, ergänzt diesen Ansatz: Außenwände aus Holzbetonstein mit Holzfaserdämmung übernehmen zugleich die tragende Funktion und den Wärmeschutz. Eine PV-Anlage mit 66,43 kWp Leistung sowie der Anschluss an das Fernwärmenetz der Salzburg AG runden das Energiekonzept ab. Das Projektteam bringt es auf eine griffige Formel: „Das Material, das wir nicht verbrauchen, ist immer das nachhaltigste."
Bruchstein als Hülle, Holz als Kern
Ein zweites Beispiel führt vor, wie sich bestehende Bausubstanz statisch weiternutzen lässt. Wie austria.com berichtet, haben die Eigentümer im niederösterreichischen Mallersbach ein altes Bauernhaus nicht konventionell saniert, sondern ein kompaktes Holzhaus in die erhaltenen Bruchsteinmauern integriert. Die alten Außenwände bleiben schützende Hülle und Wärmespeicher, das neue Haus dahinter übernimmt die raumbildende Funktion. Verwendet wurden Holz, Lehm und Zellulose – Baustoffe, die ohne hohe Verarbeitungstemperaturen auskommen. Die handwerkliche Herausforderung liegt weniger im Sichtbaren als in der Nahtstelle: Mauerwerk bleibt nahezu formstabil, Holz arbeitet jahreszeitlich. Ohne saubere Trennung durch eine diffusionsoffene, aber luftdichte Schicht – etwa eine Holzfasermatte – wandert Feuchtigkeit in den Anschluss. Beim Tag des offenen Hauses am 19. September werden diese baulichen Details vor Ort gezeigt; GRÜNSTATTGRAU ergänzt das Programm um Beratung zu Gebäudebegrünungen.
Wissen als tragendes Element
Nachhaltiges Bauen verlangt nicht nur neue Materialien, sondern vor allem übertragbares Wissen. Die Universität Rostock richtet nach einer Meldung von bauenmitholz eine neue Professur für nachhaltiges Bauen ein. Parallel hat der Verband für Bauen im Bestand nach einem Bericht von energiezukunft einen Praxis-Wegweiser veröffentlicht, der das Bauen im Bestand einfacher machen soll. Beide Initiativen weisen in dieselbe Richtung wie das 3D-Decken-Projekt in Hallein: Die wichtigste Ressource einer Baukultur ist nicht der Beton, sondern die Fähigkeit, vorhandene Substanz zu lesen und gezielt weiterzudenken.