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Die Kolonnade als urbanes Erbe: Warum Indiens Architekturdenkmäler in der Stadtplanung verschwinden

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aktualisiert 10. September 2026

Die Kolonnade als urbanes Erbe: Warum Indiens Architekturdenkmäler in der Stadtplanung verschwinden

greift ein Problem auf, das unmittelbar an die gebaute Umgebung indischer Großstädte rührt. Unter dem Titel „The Colonnade: Rediscovering an Urban Artefact of the Indian Sub-continent" untersucht Prof. Kavas Kapadia, wie stadtplanerische Fachleute in der kommunalen Verwaltung Indias systematisch an den Rand gedrängt werden – mit spürbaren Folgen für den Umgang mit historischer Bausubstanz.

Die Lücke in der Verwaltung

Nach Kapadias Darstellung verwandeln rasante Urbanisierung und Immobilieninteressen Metropolen wie Delhi und Mumbai in schwer steuerbare Großgebilde. In diesem Umfeld finden ausgebildete Planerinnen und Planer kaum noch eine tragfähige Rolle, weil Verwaltung und Politik von administrativen Laufbahnbeamten und kurzfristigen Prioritäten dominiert werden. Für die gebaute Umgebung bedeutet das: Eingriffe an Fassaden, Kolonnaden und Platzanlagen werden seltener von Fachleuten begleitet, die Tragwerk, Material und bauzeitliche Schichtung tatsächlich lesen können.

Kolonnaden als stille Indikatoren

Eine Kolonnade – eine Reihe tragender Säulen mit aufliegendem Gebälk, häufig als Gliederung von Innenhöfen, Hallen oder Straßenfronten – verrät mehr über den Zustand eines Stadtgefüges, als es ihre heutige Nutzung vermuten lässt. Bleibt sie freistehend, wird sie verkleidet, hinter Glas gestellt oder schlicht überformt? Kapadias Befund legt nahe, dass solche baulichen Zeugnisse in Delhi und Mumbai derzeit kaum systematisch erfasst werden. Sie tauchen oft erst dann in der Diskussion auf, wenn eine Baustelle sie freilegt – oder wenn Abrissbagger bereits stehen. Die Frage, die der Titel aufwirft, ist daher weniger eine ästhetische als eine organisatorische: Wer erkennt das Artefakt überhaupt noch als solches?

Worauf achten vor Ort

Für Reisende, die in indischen Metropolen bewusst auf historische Substanz schauen, lohnt der Blick auf das konstruktive Detail: Säulenbasen mit erkennbaren Sockelprofilen, Putzreste hinter modernen Verkleidungen, Spuren ehemaliger Geschoßdecken an Kolonnaden oder freiliegende Mauerwerksverbände an Sockelzonen. Auch die Art, wie nachträgliche Geschosse an historische Strukturen angehängt wurden, gibt Aufschluss über den Zustand eines Stadtviertels. Solche Befunde dokumentieren den Umgang einer Stadt mit ihrem Bestand oft ehrlicher als jede offizielle Denkmalliste. Kapadias Beitrag macht deutlich, dass die fachliche Auseinandersetzung mit urbanen Artefakten in Indien derzeit vor allem außerhalb der Verwaltung stattfindet – und dass kundige Reisende, Fotografinnen und Baukundige diese Lücke derzeit selbst füllen.

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