lupuswolf.

Architektur verstehen, Weltkultur entdecken, Geschichte erfahren.

Meldung

Kunst-Highlights im September: Diese Ausstellungen sollten Sie weltweit besuchen

Siebzig Meter Stoff, tausend Jahre Pause – und dann stehen die Tickets schon im ersten Monat nicht mehr zur Verfügung. Der Teppich von Bayeux, eigentlich eine Wollstickerei auf Leinen aus dem Canterbury des 11.

aktualisiert 05. September 2026

Kunst-Highlights im September: Diese Ausstellungen sollten Sie weltweit besuchen

Jahrhunderts, ist im September 2026 die Sensation im British Museum und nur ein Beispiel für eine Herbstsaison, die selbst erfahrene Ausstellungsreisende vor Planungsprobleme stellt. Wer jetzt die Wochenenden durchplant, stößt auf ein Dilemma: Amsterdam, Seoul, Berlin, London – überall zeigt sich gleichzeitig etwas, das man eigentlich nicht verpassen sollte.

Ein Flickenteppich zieht nach England – und wird zum Event

Der Wandteppich von Bayeux, der die Ereignisse rund um die Schlacht von Hastings 1066 erzählt, kehrt zum ersten Mal seit rund tausend Jahren auf die Insel zurück – also dorthin, wo er vermutlich entstanden ist. Die Stickerei, kaum fünfzig Zentimeter hoch, erzählt in ihrer ganzen Länge von Eroberung, Verrat und der Herkunft der englischen Monarchie. Das Bayeux-Museum in der Normandie nutzt die Abwesenheit für Umbauten, die Transportkosten trägt die britische Seite. Eine diplomatische Geste mit kulturellem Tiefgang: Die Engländer beherbergen freiwillig das Hauptdokument ihrer letzten erfolgreichen Invasion.

Das Besondere für uns: Das Werk bleibt bis Juli 2027 zu sehen. Wer also jetzt keinen Ticket ergattert, hat Zeit – und kann die Planung mit anderen Herbst-Highlights verzahnen.

Seoul, Amsterdam, Berlin – drei Stationen für eine Woche

Do Ho Suhs bislang umfangreichste Ausstellung im National Museum of Modern and Contemporary Art in Seoul versammelt rund fünfhundert Werke über dreißig Jahre – von Zeichnungen aus Studientagen bis zu raumgreifenden Installationen aus transluzentem Stoff, die Wohnungen in London, New York, Berlin und Seoul nachbauen. In Suhs „Seed Bank" liegen die Keimzellen seiner späteren Ideen: Wer den koreanischen Künstler bisher nur aus Galerien kennt, sieht hier erstmals das gesamte Netzwerk seiner räumlichen Erinnerungsarbeit.

Im Stedelijk Museum Amsterdam widmet sich eine große Retrospektive Yayoi Kusama – über siebzig Jahre ihres Schaffens, von den frühen Arbeiten in Matsumoto über die New-York-Jahre bis ins heutige Tokio. Beide Ausstellungen laufen über mehrere Monate, lassen sich also gut mit einem Herbsttrip verbinden.

Für diejenigen, die kürzere Wege bevorzugen, bringt die Berlin Art Week im September gleich mehrere Anlässe. Im Hamburger Bahnhof eröffnet am 11. September eine Retrospektive für den Komponisten und Künstler Ryuichi Sakamoto, die bis Juni 2027 läuft. Fünf großformatige Installationen zeigen unter anderem Arbeiten aus dem Album async (2017), entstanden mit Shiro Takatani und Apichatpong Weerasethakul, sowie Sakamotos letztes Album 12 (2023) in Verbindung mit Filmen von Carsten Nicolai. Besonders berührend: IS YOUR TIME (2017), ein Klavier, das bei der Tsunami-Katastrophe 2011 beschädigt wurde und nun robotergesteuert durch Kompositionen erklingt, die auf seismologischen Erdbebendaten basieren. In einem abgedunkelten Raum klingt das wie ein Klavier im Vakuum – Sakamotos eigene Metapher für das, was bleibt.

Wendell Castle: Möbel als Skulptur, Skulptur als Zuhause

Eine weniger laute, aber für Architektur- und Designfreunde ebenso lohnende Adresse ist Friedman Benda in New York. Die Ausstellung Wendell Castle: Living rekonstruiert die häusliche Welt, die der Möbeldesigner und Bildhauer mit der Keramikerin Nancy Jurs in Scottsville, New York, teilte. Ausgangspunkt ist ein Feature aus dem House Beautiful von 1973 – kuratiert von ihrer Tochter Alison Castle. Werke, die damals fotografiert und danach jahrzehntelang nicht öffentlich gezeigt wurden, stehen nun wieder in einem Setting, das Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer andeutet. Castles Chaise Rocker von 1962 neben Environment von 1972 zeigt, wie sich sein skulpturaler Ansatz entwickelte, ohne den Bezug zum Alltag zu verlieren. Die Ausstellung läuft vom 17. September bis 17. Oktober 2026 – ein schmales Zeitfenster.

Was sich lohnt, im Kopf zu behalten

Dieser September ist kein Monat für spontane Besuche. Die Kombination aus Bayeux in London, Kusama in Amsterdam, Do Ho Suh in Seoul und Sakamoto in Berlin ergibt eine Reiseroute, die sich über Wochen strecken lässt. Die Castles-Ausstellung in New York verlangt dagegen schnelleres Handeln. Wer sich den Herbst jetzt einteilt, vermeidet Enttäuschungen – und entdeckt Zusammenhänge, die im Einzelbesuch leicht untergehen: wie Stoff Identität formt, wie Möbel Wohnen erzählen und wie ein beschädigtes Klavier zu einer Landkarte der Erde wird.

Weitere Meldungen