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Architektur als Dialog: Belqis Youssofzay über die Inszenierung von Harry Seidlers Modernismus

Das australische Architekturmagazin ArchitectureAu sprach mit Belqis Youssofzay vom Studio Youssofzay Hart über die Gestaltung der Ausstellung "Migrating Modernism: The architecture of Harry Seidler".

aktualisiert 17. September 2026

Architektur als Dialog: Belqis Youssofzay über die Inszenierung von Harry Seidlers Modernismus

Wie übersetzt man die Ideen eines Modernisten in begehbare Räume? Das australische Architekturmagazin ArchitectureAu sprach mit Belqis Youssofzay vom Studio Youssofzay Hart über die Gestaltung der Ausstellung "Migrating Modernism: The architecture of Harry Seidler". Nach einer ersten Station in Venedig 2025 ist die Schau im Chau Chak Wing Museum der University of Sydney zu sehen — und sie macht sichtbar, wie viel Konstruktion in einer Ausstellungsarchitektur stecken kann.

Zwei versetzte Dreiecke als räumlicher Anker

Das Grundproblem liegt auf der Hand: In einem rechteckigen Galerieraum soll das Werk eines Architekten inszeniert werden, der selbst mit starken Primärformen arbeitete. Die Lösung des Studios sind zwei monumentale, gleichseitige Dreiecke, zueinander versetzt in den Bestandsraum gesetzt. Laut dem Bericht verweist dieser Versatz direkt auf Seidlers eigenen Umgang mit zwei starken Formen im Grundriss — also ein bewusstes Echo und kein neutraler Rahmen.

Die Raumhöhe des Galerieraums verlangte nach einem monumentalen Auftakt beim Eintritt. Die beiden Dreieckskörper erzeugen zugleich Spannung gegenüber dem orthogonalen Bestand. Begegnungen zwischen Besuchern und Exponat werden durch die Geometrie gelenkt, nicht durch Wände. Genau diese Arbeit mit "spatial tension" und überraschenden Durchblicken beschreibt das Studio als Auslöser für die Formwahl.

Geometrie als historische Spur

Das Dreieck ist nicht beliebig. Das Studio recherchierte Seidlers Einflüsse und stieß auf mehrere Referenzen: Francesco Borrominis barocke Kirche San Carlo alle Quattro Fontane, deren Grundriss aus gleichseitigen Dreiecken entwickelt ist; Josef Albers' Entwurfsvorlesungen am Black Mountain College 1946, aus denen sich entsprechende Notizen in Seidlers Unterlagen finden; sowie die dreieckigen Motive in den Arbeiten von Frank Stella, einem künstlerischen Weggefährten Seidlers.

Die gesättigten roten und blauen Innenflächen der Dreiecksräume beziehen sich nach Angaben von Youssofzay auf die Farben von Seidlers Wandmalereien im Rose Seidler House. Material- und Farbwahl verweisen also nicht nur auf eine Formidee, sondern auch auf ein konkretes Bauwerk im Œuvre.

Was die Schau zeigt

Die Ausstellung versammelt Originalzeichnungen, Fotografien, Modelle und Kunstwerke. Sie zeichnet Seidlers Weg nach und die Menschen, Orte und Ideen, die seine Praxis prägten. Für Reisende, die Sydney ohnehin auf der Route haben, ist das ein verdichteter Einstieg in das Werk eines Modernisten, dessen Œuvre zwischen öffentlichen Bauten und Wohnhaus — etwa dem Rose Seidler House — pendelt. Wer die Schau besucht, sollte sich Zeit für die beiden Dreiecksräume nehmen: Dort entscheidet sich, ob die Inszenierung als Hülle oder als räumliches Zitat funktioniert.

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